30.11.2015: „Lügen und andere Wahrheiten – die deutschen Mythen der Eurokrise“ – Vortrag von Harald Schumann (16-18 Uhr, EPB)

Öffentliche Ringvorlesung:
Europäisierung vs. Renationalisierung:
Öffentliche Debatten in Zeiten der Krise

 Einladung zum Vortrag mit Diskussion:
„Lügen und andere Wahrheiten – die deutschen Mythen der Eurokrise“
Harald Schumann
Investigativer Journalist, Der Tagesspiegel, Berlin

Montag, 30. November 2015, 16:00 – 18:00, EuropaPunktBremen
Bremische Bürgerschaft, Am Markt/Erdgeschoss

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Zur Thematik: Was passiert mit Europa im Namen der Eurogruppe? Ihre Troika aus IWF, EZB und Europäischer Kommission setzt Einsparungen in verheerendem Ausmaß durch und verschärft fortwährend die Rezession. Diese Sparmaßnahmen wurden insb. von der deutschen Bundesregierung gefordert und durchgesetzt. Als Ergebnis seiner Recherchen in den Euro-Krisenländern konstatiert Schumann: „Allein die Mittelschicht, die Staatsangestellten, die Rentner, Kranken und Arbeitslosen mussten die Last der Anpassung tragen. Die wirtschaftlichen Eliten hingegen blieben überall verschont. Schlimmer noch: Die Troika zwang die Regierungen, wertvolle Staatsunternehmen zu Schleuderpreisen zu verkaufen, und verhalf so den Privilegierten, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern.“ Der Mythos des Sparens als Weg aus der Krise scheint widerlegt – beibehalten wird er dennoch. Schumanns Fazit nach den aktuellen Entscheidungen zu Griechenland: „Die Griechen behalten zwar den Euro, aber sie verlieren ihre Demokratie. (…) Das machte sichtbar, was Euro-Kritiker seit je beklagen: Die Gemeinschaftswährung untergräbt, so wie sie derzeit verfasst ist, die demokratischen Verfassungen ihrer Mitgliedsstaaten, und das keineswegs nur in Griechenland.“

Schumann

HARALD SCHUMANN ist seit 2004 Redakteur bei der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel. Zu seinen vorherigen journalistischen Stationen gehörten der SPIEGEL (u.A. als Ressortleiter Politik bei SPIEGEL-ONLINE) und die tageszeitung (taz). Seine Reportage über die Eurorettungspolitik und die Intransparenz der politischen Prozesse („Macht ohne Kontrolle – Die Troika“, bei ARTE) erreichte große mediale Resonanz. die In zahlreichen Büchern befasste er sich mit wirtschaftspolitischen Fragen, der Globalisierung und dem Einfluss von Unternehmen auf die globale Hungerkrise. Für seine journalistischen Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Ernst-Schneider-Preis der deutschen Wirtschaft 2012, dem Deutschen Fernsehpreis 2013 und dem Umweltmedienpreis 2014. Mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Schumann

Weitere Infos: Dennis Zagermann (zagermann@uni-bremen.de)